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Fleisch, igittigitt?

Türkische Pizza (Foto: photocase.com)Skandale um’s Fleisch verderben die Lust am Döner
Schlachtabfälle werden zu Lebensmitteln verarbeitet, altes Fleisch wird in frisches umetikettiert – neue Betrügereien rund um’s Fleisch nagen am Appetit auf Schnitzel und Döner. Was daran aufregt und was du tun kannst…

Igitt – Hundefuttermaterial als Lebensmittel
Am 18. Oktober 2005 ist es so weit: der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf nennt erstmals Handelsnamen, unter denen die Firma Rottaler aus dem niederbayerischen Gangkofen Geflügel-Abfälle als Lebensmittel in den Verkehr gebracht hat. Das, was höchstens zu Katzen- oder Hundefutter verarbeitet werden durfte, ist zu diesem Zeitpunkt in 9 Bundesländern in den Handel gelangt. Firmen in Sachsen-Anhalt, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen und Baden-Württemberg haben „Gelha-Hühnerklein“ und „Gelha-Hühnersuppentopf“, haltbar über 18 Monate, ahnungslos gekauft. „Die Verbraucher sollen die Produkte zurück in die Supermärkte bringen“, rät der Minister. Gut, wer das noch kann, weil er den Einkauf im Tiefkühlfach schlummern hat, möchte man dem Minister entgegen halten.

Neue Betrugsmeldungen bis Ende 2005
Rinderhackfleisch abgepackt (Foto: aid infodienst)Bis zur Jahreswende 2005 reißen die Meldungen um falsch deklariertes Fleisch nicht ab. Während bei dem Skandal im Oktober lediglich der „Ekelfaktor“ miese Laune verbreitet, kommt im November ein schon gesundheitlich kritischerer Betrug ans Licht: Jahrelang tiefgefrorenes und damit eigentlich überlagertes Fleisch ist als Frischfleisch umdeklariert und verkauft worden. Überlagert oder zu lange gelagert heißt, dass es alt ist. Mit der Lagerdauer, aber auch mit dem Auftauen und Weiterverwerten steigt die Gefahr, dass sich Krankheitserreger im Fleisch verbreiten.

Dennoch keine Gesundheitsgefahr
Wurst auf Teller (Foto: photocase.com)Zum Glück kommt es in keinem der im Herbst bekannt gewordenen Fälle zu einer Vergiftung des Verbrauchers. Aber auch im zweiten Fall wundert den Laien die lange Zeit, die vergeht, bis die Behörden handeln: Vom ersten Verdacht bis zur Hausdurchsuchung bei dem Gelsenkirchener Fleischhändler Domenz durch die Staatsanwaltschaft vergehen drei Wochen. Domenz hat im Jahr 2005 9,2 Tonnen Fleisch, vor allem Pute, an einen Döner-Hersteller und einen weiteren Fleischverarbeiter in Brandenburg geliefert. An Brandenburger Imbissbuden sind bereits 815 Kilogramm des Domenz’schen Putenfleischs über die Theke gegangen, mutmaßen die dortigen Behörden Ende November.


Hier läuft nicht alles rund - aber es tut sich was!

Was daran aufregt:

Kontrolle im Schlachthof (Foto: aid infodienst) 1. „Betrügereien bei Lebensmitteln kommen, so scheint es, oft nur zufällig heraus.“
Einen 100-prozentigen Schutz vor bewusster Manipulation bei der Lebensmittelherstellung kann es nicht geben, warnen Lebensmittel-Experten vor zu hohen Ansprüchen. Aber, in dem immer mehr betriebseigene Kontrollsysteme (z. B. QS, siehe www.q-s.info) eingeführt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Betrüger schnell auffallen und vom Markt fliegen.

2. „Bis endlich etwas getan wird, zieht sich die Informationsübermittlung oft über mehrere Wochen hin.“
Am 29. November 2005 hat der neue Verbraucherminister Seehofer ein 10-Punkte-Sofortprogramm als Konsequenz aus den Fleischskandalen beschlossen. Danach steht das Informationssystem (FIS-VL) ab sofort zur Verfügung. Es wird jeweils aktuell mit allen Daten zu einem Lebensmittelskandal gefüttert und soll den Informationsfluss zwischen der Lebensmittelüberwachung und den Bundesbehörden für Lebensmittelsicherheit verbessern. Meldepflichten für Beanstandungen werden ausgeweitet.

3. „Um höhere Gewinne zu erzielen, greifen die Lebensmittelhersteller sogar zu kriminellen Mitteln.“
An dieser Entwicklung ist der Verbraucher nicht ganz unschuldig, beklagen Experten häufiger. Wenn beim Einkauf das billigste gerade recht ist, wird es für die Unternehmer immer schwieriger, einen angemessenen Gewinn zu erzielen. Verbraucher müssen also Qualitätsprogramme, z. B. bei Fleisch honorieren, was praktisch heißt: Fleisch aus solchen Programmen kaufen.


Deine Macht als Verbraucher!

Was du tun kannst:

Fleisch mit QS-Siegel (Foto: aid infodienst)1.Nur besonders streng kontrolliertes Fleisch zu kaufen:
Bevorzuge Fleisch, das auf der Verpackung oder auf einer Ladeninformation auf zusätzliche Qualitätsprogramme hinweist. Wenn du beim Fleischer kaufst, frage nach solchen Programmen. Prüfsiegel wie QS oder TÜV stehen für zusätzliche Kontrollen auf allen Herstellungsstufen.


Fleischtheke  (Foto: aid infodienst)2. Um dich beim Kauf vor Manipulation zu schützen:
Bevorzuge unverpacktes Fleisch, lass es dir von einem Fleischer frisch schneiden, wenn du die Möglichkeit dazu hast. Würze dein Fleisch selbst, z. B. für’s Grillen, dann kannst du die Frische besser beurteilen.

Etikett Rinderfilet (Foto: aid infodienst)3. Um dich vor überlagertem Fleisch zu schützen:
Kontrolliere beim Kauf das Mindeshaltbarkeitsdatum bei verpacktem Fleisch. Kontrolliere beim Kauf oder nach dem Kauf, ob es dir in Farbe und Geruch typisch frisch erscheint. Kommen dir Zweifel, scheu dich nicht, es in den Handel zurück zu bringen.


Kühlschrank (Foto: photocase.com)4. Um dich vor dem Verderb im Haushalt zu schützen:
Pack Fleisch sofort in den Kühlschrank. Eingeschweißtes Fleisch lässt du eingeschweißt. In Papier eingeschlagenes nimmst du aus dem Papier, legst es auf einen tiefen Teller und deckst es mit einem zweiten ab. Es sollte abgedeckt, aber luftig lagern. Verbrauche das aus gepackte Fleisch spätestens am nächsten Tag, das eingeschweißte innerhalb des angegebenen Datum.

Kühlschrank (Foto: photocase.com)


5. Um dich vor Risiken durch falsches Zubereiten zu schützen:
Wenn du mit rohem Fleisch hantiert hast, wasche deine Hände, die Arbeitsfläche und benutzte Utensilien (Messer usw.) mit heißem Wasser, Seife bzw. Spülmittel oder Essigreiniger. Verhindere, dass das rohe Fleisch mit roh verzehrten Lebensmitteln in Berührung kommt, z. B. Salat. Gare Fleisch gut durch, es sollte im Kern nicht blutig sein.

6. Um am Ball zu bleiben:
Informiere dich über Fleisch, über aktuelle News zu Qualitätsmängeln, über Qualitätsprogramme und ihre Standards. Aktuelle News liefern die Online-Ausgaben der großen Tageszeitungen (z. B. www.faz.net). Das vollständige 10-Punkte-Sofortprogramm der Bundesregierung ist unter www.verbraucherministerium.de einsehbar. Praktische Tipps liefern die Verbraucherzentralen (z. B. www.verbraucherzentrale-nrw.de).


Fleisch ist ein wertvolles Lebensmittel – lass dir nicht den Appetit verderben, aber sei schlau und genieße bewusst.



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Text: Stephanie Wetzel, Berlin (Januar 2006)
(Bildquellen: www.photocase.com und www.aid.de)