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Ballaststoffe – kein unnötiger Ballast
Ballaststoffe
(Nahrungsfasern) sind unverdauliche Pflanzenbestandteile, die keine Energie
liefern. Trotzdem sind sie nicht nutzlos, sondern ein wichtiger Bestandteil
der gesunden Ernährung. Besonders in Getreide, Getreideprodukten
sowie in Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten stecken Ballaststoffe.
Experten unterscheiden zwei Gruppen von Ballaststoffen
Es gibt die:
- nicht wasserlösliche Fasern, die vor allem
im Getreide, Vollkornprodukten und Gemüse enthalten sind
und die
- wasserlösliche Gelbildner, die in Obst, Gemüse,
Haferflocken vorkommen.
Die Ballaststoffe verschiedener Pflanzen haben unterschiedliche
Wirkungen, so dass man am besten Ballaststoffe aus Vollgetreide, Obst,
Kartoffeln und Gemüse aufnimmt, um eine günstige Verteilung
zwischen unlöslichen und löslichen Ballaststoffen zu erreichen.
Ballaststoffe kein unnötiger Ballast
Ballaststoffe regen zum Kauen an und sättigen langanhaltend. Dann
gelangen sie unverdaut in den Dickdarm und werden dort wirksam:
- Sie regen die Darmtätigkeit an, verhindern
oder beseitigen Verstopfung, beugen Hämorrhoiden vor und schützen
vor Darmkrebs, da sie im Darm krebserregende Stoffe binden und abtransportieren
können.
- Sie beugen hohen Blutfettwerten (Cholesterinspiegel)
und hohem Blutzuckerspiegel vor. Damit sind sie der beste Schutz vor
Herz-Kreislauferkrankungen.
Der Begriff „Ballaststoffe“ stammt aus einer
Zeit in der Bestandteile der Nahrung, die nicht verwertbar sind, als überflüssiger
Ballast abgesehen wurde. Wegen ihres anscheinend geringen Wertes, versuchte
man sie aus den Lebensmitteln zu entfernen (so befinden sich z. B. im
Getreidekorn die Ballaststoffe direkt unter der Schale in den Randschichten.
Beim Vermahlen von Mehl werden diese Randschichten um so mehr entfernt,
je heller das Mehl werden soll. Weißmehlprodukte haben nur noch
einen geringen Ballaststoffanteil).
Die Bedeutung der Ballaststoffe für die Gesundheit wurde erst in
den 1970iger Jahren entdeckt.
Täglich jede Menge Ballaststoffe essen
Ernährungswissenschaftler empfehlen, täglich mindestens 30 Gramm
besser sogar 40 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen, davon rund die Hälfte
aus Getreideprodukten (Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Getreideflocken).
In der Realität wird diese Empfehlung bislang jedoch nicht umgesetzt:
Laut Ernährungsbericht 2000 nehmen die Deutschen zur Zeit durchschnittlich
nur 20,5 g Ballaststoffe täglich auf.
Noch vor hundert Jahren nahmen die Menschen täglich durchschnittlich
96 Gramm Ballaststoffe auf. Mit zunehmenden Wohlstand wurden in den Industrieländern
die ballaststoffreicheren pflanzlichen Lebensmittel durch ballaststoffärmere
ersetzt (Weißbrot statt Vollkornbrot). Seit den 1930er Jahren geht
der Verzehr von komplexen Kohlenhydraten (Stärke) und Ballaststoffen
zugunsten von Eiweißen, Fetten und raffinierten Kohlenhydraten (Zucker)
zurück.
Wenn nichts mehr geht - Verstopfung
Die Entwicklung der Ernährungsgewohnheiten in den westlichen Industrieländern
hat zur Konsequenz, dass Verstopfung (Fachausdruck Obstipation) die häufigste
Störung im Magen-Darm-Bereich ist und zugleich eine typische Zivilisationskrankheit
der westlichen Industrieländer darstellt. In Deutschland sind etwa
30 bis 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen, wobei
Frauen doppelt so häufig darunter leiden wie Männer. Besonders
bei älteren Menschen kann die chronische Verstopfung zu einem ernstzunehmenden
Gesundheitsproblem werden.
Eine Verstopfung liegt dann vor, wenn eine Darmentleerung
über einen längeren Zeitraum hinweg seltener als alle zwei bis
drei Tage erfolgt. Stuhlfrequenzen zwischen dreimal pro Tag und einmal
alle drei Tage gelten als normal. Verantwortlich für eine Verstopfung
ist eine verzögerte Darmpassage. Diese wird verursacht durch eine
ungenügende Darmfüllung, durch ungenügende Darmbewegungen
und durch den fehlenden Reiz auf die Darmwand. Ballaststoffe haben die
Eigenschaft das Stuhlgewicht zu erhöhen und damit die Darmpassage
zu fördern. Zum Teil werden sie unverändert mit dem Stuhl ausgeschieden.
Davor saugen sie aber Wasser auf, quellen im Darm und vermehren so das
Stuhlgewicht durch die Wasserbindung. Der Reiz, der durch das größere
Stuhlvolumen auf die Darmwände ausgeübt wird, regt die Darmtätigkeit
und damit die Verdauung an. Zum Teil werden Ballaststoffe auch von den
Darmbakterien abgebaut und vermehren so das Stuhlgewicht durch Steigerung
der Bakterienmasse. Diese natürliche abführende Wirkung einer
ballaststoffreichen Kost fehlt oftmals bei den heutigen Ernährungsgewohnheiten.
Mangelnde körperliche Aktivität ist eine weitere Begleiterscheinung
unserer heutigen Lebensweise. Durch die vielen sitzenden Tätigkeiten
wird auch die Darmmuskulatur nicht mehr trainiert und schlapp. Daher gilt
für alle die an Verstopfung leiden: Regelmäßig Sport treiben,
denn Sport regt den Stoffwechsel und damit auch die Darmtätigkeit
an.
Abführmittel: keine Lösung!
Häufig verwenden Betroffene Abführmittel (Laxanzien), die die
Darmpassage beschleunigen und zu einer Stuhlentleerung führen. Abführmittel
fördern jedoch nicht die Verdauungsleistung an sich. Bei akuter Verstopfung
und wenn bei chronischer Verstopfung zunächst gar nichts anderes
hilft, bieten Abführmittel kurzfristig eine Hilfe bei der Defäkation.
Die Ursache der Verstopfung beseitigen sie jedoch nicht.
Abführmittel sollten auf keinen Fall unkontrolliert
eingesetzt werden, denn es kann ein Teufelskreis in Gang gesetzt werden:
Durch eine Gewöhnung machen Abführmittel den Darm noch träger
und Verstärken die Verstopfung. Um eine Stuhlentleerung zu erreichen,
müssen nun ständig Abführmittel eingesetzt werden. Abführmittel
– auch rein pflanzliche – lösen auf Dauer keine Darmprobleme.
Mit Ballaststoffen gegen die Verstopfung
Da die chronische Verstopfung hauptsächlich mit einer zu geringen
Ballaststoffaufnahme zusammenhängt, kann diese Funktionsstörung
einfach durch regelmäßigen und ausreichenden Ballaststoffverzehr
behandelt werden. Liegt bereits eine Verstopfung vor, sollte die Ballaststoffzufuhr
auf 40 Gramm pro Tag gesteigert werden.
| 40 Gramm
Ballaststoffe sind z. B. enthalten in: |
| Lebensmittel |
Ballaststoffe (Gramm) |
| 3 Scheiben Roggenvollkornbrot |
12 |
| 2 Scheiben Grahambrot |
8 |
| 3 große Kartoffeln |
5 |
| 1 Portion Rosenkohl |
11 |
| 1 Portion Erdbeeren |
4 |
| Gesamt |
40 |
|
Da der Effekt der Ballaststoffe im Wesentlichen auf
einer Vermehrung des Stuhlvolumens beruht, sind besonders Getreideballaststoffe
empfehlenswert. Sie haben durch ihren hohen Anteil an unlöslichen
Ballaststoffen einen sehr guten Quelleffekt und wirken somit steigernd
auf das Stuhlvolumen. Die Hälfte der aufgenommenen Ballaststoffe
sollten daher aus Getreide und Getreideprodukten stammen – besonders
bei chronischer Verstopfung. Damit die Ballaststoffe gut quellen können
und der Stuhl gleitfähiger wird, liegt die empfehlenswerte Trinkmenge
bei mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag. Geeignet sind: Mineral- und Trinkwasser,
Kräutertee, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte. Günstig
ist außerdem der regelmäßige Verzehr von milchsäurehaltigen
Lebensmitteln wie Buttermilch, Joghurt, Dickmilch, Kefir oder milchsauervergorenes
Sauerkraut. Sie sorgen zusätzlich für eine gesunde Darmflora.
Lebensmittel mit einen hohen Ballaststoffanteil sind:
- Getreideprodukte: Vollkornmehl,
Vollkornflocken, Vollkornschrot, Getreidekeime, Vollkornteigwaren, Naturreis,
Müsli
- Brot: Roggenvollkornbrot, Roggenschrotbrot,
Weizenvollkornbrot, Weizenschrotbrot, Sojabrot, Leinsamenbrot
- Gemüse: grüne Bohnen,
Erbsen, Rosenkohl, Brokkoli, Fenchel, Rotkohl, Weißkohl, Grünkohl,
Wirsing, Rote Bete, Zuckermais, Linsen, Kartoffeln, Sprossen, Keimlinge,
Lauch, Möhren, Sellerie
- Obst: Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren,
Heidelbeeren, Stachelbeeren, Jostabeeren, Trockenobst
- Nüsse/Samen: alle Nüsse,
Mandeln, Leinsamen, Sesamsamen, Mohnsamen, Sonnenblumenkerne
Doch Vorsicht: Zu Beginn der Ernährungsumstellung
können Völlegefühle, leichte Bauchschmerzen und Blähungen
auftreten. Diese Anpassungsbeschwerden verschwinden jedoch in der Regel
nach einigen Tagen. Personen, die an den Gebrauch von Abführmitteln
gewöhnt sind, sollten die Ballaststoffaufnahme nur langsam erhöhen
und gleichzeitig die Aufnahme von Abführmitteln sukzessive beschränken.
Beginnt damit zum Frühstück ein Müsli mit frischem Obst
zu essen, erhöht dann schrittweise die Kartoffel-, Gemüse-
und Salatbeilage. Verringert gleichzeitig die Portionen an Fleisch,
Wurst, Kuchen, Gebäck oder Süßem. Tauscht bei den Mahlzeiten
jeden Tag etwas mehr ballaststoffarme Lebensmittel gegen ballaststoffreiche.
Viele Leute mit Verdauungsproblemen reichern ihre
Mahlzeiten mit Ballaststoffpräparaten (Weizenspeisekleie) an. Dagegen
ist vom Prinzip her nichts einzuwenden, wenngleich es für den Darm
besser wäre, auf natürliche ballaststoffreiche Lebensmittel
zurückzugreifen. Grundsätzlich ist eine Kost mit hohem Anteil
an komplexen Kohlenhydraten (Vollkornprodukte, Gemüse, Salat) zu
bevorzugen. Sollte eine Ernährungsumstellung nicht oder nur langsam
möglich sein, können Ballaststoffpräparate genommen werden.
Tipps für den Alltag:
- morgens eine gezielte Bauchmassage vornehmen
- genügend Zeit für das Frühstück
und den Gang zur Toilette einplanen
- nüchtern ein Glas lauwarmes Wasser, ein Glas
frisch gepressten Orangensaft oder den Saft von über Nacht eingeweichten
Trockenpflaumen trinken
- mehrmals täglich einige Gabeln Sauerkraut
oder über den Tag verteilt zehn eingeweichte Backpflaumen essen
- selbstzubereitetes Müsli frühstücken:
zum Beispiel 2 bis 3 Esslöffel grobe Getreideflocken, 1 Esslöffel
Leinsamen, 1 Esslöffel Weizenkleie, 1 geriebener Apfel, 1 Becher
Joghurt
- auf stopfende Lebensmittel wie Schokolade, Kakao,
Süßigkeiten verzichten
- regelmäßig bewegen zum Beispiel
Radfahren, Schwimmen, Laufen
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