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Fairer Genuss für alle
Vom Fairen Handel profitieren Produzenten, Umwelt und Verbraucher

Kakao, Kaffee, Tee und sogar Fußbälle gibt es: Rund 800 verschiedene Produkte sind aus Fairem Handel erhältlich. Doch was heißt "fair"? Und warum ist Fairsein wichtig? Hier erfahrt ihr am Beispiel Kakao, was hinter fair gehandelten Produkten steckt und wie ihr "Politik mit dem Einkaufskorb" machen könnt.

Schokoladentafel mit Kakaopulver (Foto: aid infodienst)Schokolade, wer mag sie nicht? Im Jahr 2004 hat jeder Deutsche im Durchschnitt etwa 8,4 Kilogramm an Schokoladentafeln, -riegeln und Pralinen verzehrt. Doch Schokolade macht nicht immer glücklich. Der Kakao für unseren süßen Genuss wird in Entwicklungsländern erzeugt und ist dort eine wichtige Einkommensquelle: In den westafrikanischen Anbauländern Ghana und Elfenbeinküste leben allein 1,3 Millionen Familien vom Kakaoanbau. Doch die Erlöse der Kakaoproduzenten decken oft nicht einmal die Produktionskosten und den Lebensunterhalt. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und eine fehlende Altersabsicherung sind keine Seltenheit.

Das Problem mit den Preisen am Beispiel Kakao
Hand mit Geldscheinen (Foto:photocase.de) Auch wenn Kakao in Entwicklungsländern produziert wird – verzehrt wird er überwiegend in den Industrieländern. Die Kakaoproduzenten müssen exportieren. Ihre Einkünfte hängen damit stark vom Weltmarktpreis ab und der ist für Kakao sehr instabil. Ist das weltweite Kakaoangebot höher als die Nachfrage, sinkt der Preis; ist die Ernte knapp, steigt er. Klimaereignisse (z.B. Dürreperioden), politische Ereignisse (wie die kriegerischen Zustände in der Elfenbeinküste, dem wichtigsten Kakaoanbauland) und Wirtschaftspekulanten beeinflussen dabei Angebot und Preis.

Ein schwankender Weltmarktpreis kann die Existenz vieler Bauern gefährden. Selbst von einem hohen Preisniveau profitieren sie zuletzt, denn Händler und Verarbeiter stecken den größten Teil des Gewinns ein. Gerade Kleinbauern mit geringen Erntemengen fehlt Marktmacht. Sie tragen das finanzielle Risiko allein und sind auf Zwischenhändler angewiesen. Es bleibt wenig Geld für Investitionen, Alterssicherung und (Weiter-)Bildung. Eine solche Situation begünstigt illegale Kinderarbeit, um das Familieneinkommen aufzubessern. Auch viele Plantagenbesitzer kalkulieren knapp und beuten Arbeiter und Kinderarbeiter mit niedrigen Löhnen schlechten Arbeitsbedingungen aus.

Der Weltmarktpreis kann auch Wohlstand oder Armut eines ganzes Landes beeinflussen. Viele Entwicklungsländer sind stark auf die Einnahmen aus dem Export von Kakao und anderen Genussmitteln wie Kaffee oder Tee angewiesen: Ghana erwirtschaftet zum Beispiel fast die Hälfte seiner Einnahmen allein durch den Kakao-Export.

 

Was versteht man unter Fairem Handel?
Pflückerinnen (Photo Teeverband) "Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzenten und Arbeiter – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung."
Definition der weltweiten Dachverbände im Fairen Handel, der FINE-Verbände, 2002

 

Grundsätze des Fairen Handels
Fairer Handel setzt also auf einen partnerschaftlichen Umgang mit den Produzenten. Einerseits werden Kleinbauern unterstützt, die sich in Erzeugergemeinschaften oder Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Andererseits zielt Fairer Handel darauf ab, die Arbeitsbedingungen von Plantagenarbeitern zu verbessern.

Folgende Kriterien liegen dem Fairen Handel zu Grunde:

  • Garantierte Mindestpreise
    Die Erzeugerpreise, die im Fairen Handel gezahlt werden, liegen über dem Weltmarktpreis, decken die Produktions- und Lebenshaltungskosten, ermöglichen eine sozial und ökologisch verantwortliche Produktion sowie Investitionen.

  • Langfristige Abnahmeverträge
    Sie garantieren den Produzenten über einen längeren Zeitraum ein Existenz sicherndes Einkommen.

  • Einhaltung von internationalen Arbeitsschutzrichtlinien
    Ausbeuterische Kinderarbeit ist verboten. Produzenten und Plantagenarbeiter bekommen faire Löhne sowie sichere Arbeitsbedingungen. Plantagenbesitzer müssen erlauben, dass sich Arbeiter organisieren und unabhängigen Gewerkschaften beitreten.

  • Förderung kleinbäuerlicher Erzeugergemeinschaften
    Der Produktions- und Vermarktungsaufwand verteilt sich in einer Gemeinschaft auf mehrere Bauern. Wegen der größeren Erntemenge können die Produkte direkt an Importeure der Industrieländer verkauft werden, ohne Zwischenhändler.

 

Brunnen mit Eimer (Foto:photocase)Beispiel: Fair gehandelter Kakao schafft Brunnen und Schulen
Pyramidenseite tierische Lebensmittel: So kommt es, dass Fisch vor allen anderen tierischen Lebensmitteln angeordnet wird. Er liefert hochwertiges, sehr bekömmliches Eiweiß, ist häufig fettarm und wirkt sich auf Grund seines Gehalts an ungesättigten Fettsäuren positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus. – Geflügelfleisch geht vor anderen Fleischsorten. Fettarme Milchprodukte rangieren vor fettreichem Käse (überwiegend gesättigte Fettsäuren).

Die Kakaogenossenschaft Kuapa Kokoo aus Ghana finanziert mit den Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel zum Beispiel Grundschulen, Toilettenanlagen und Brunnen mit sauberem Trinkwasser. Die Bauern entscheiden gemeinsam und für alle transparent, in welche Gemeinschaftsprojekte die Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel fließen.

 

Nachhaltigkeit ist das Stichwort
Beim Fairen Handel geht es nicht einfach um Geld, das in Entwicklungsländer fließt, sondern um einen gerechteren Welthandel. Das Konzept von Fairem Handel ist umfassend: Es stärkt die Eigenverantwortung der Menschen vor Ort, unterstützt Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen vor allem auch für Frauen und fördert umweltfreundliche Produktionsmethoden. So werden die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Kleinbauern und Plantagenarbeiter langfristig verbessert sowie die Umwelt – und damit die Lebensgrundlage der Menschen – geschont.

 

Fair einkaufen und genießen!
TransFair-Lebensmittelauswahl (Foto:transfair.org) Es gibt jede Menge Einkaufsstätten, die faire Produkte im Programm haben. Neben den klassischen Weltläden führen auch Naturkostläden und bundesweit rund 22.000 Supermärkte Produkte aus Fairem Handel. Auf den Seiten der Kampagne fair-feels-good.de findet ihr eine Liste mit Einkaufsmöglichkeiten auch in Eurer Nähe.

Nicht nur die traditionellen Kolonialwaren wie Kaffee, Tee und Kakao gibt es fair gehandelt. Die Produktpalette umfasst auch Orangensaft, Bananen, Honig, Zucker, Gewürze, Wein, Nüsse, süße Brotaufstriche, verschiedene Getreideprodukte, Schokolade und Süßigkeiten. Neben Lebensmitteln werden auch immer mehr handwerkliche Produkte angeboten, zum Beispiel Fußbälle, Teppiche, Blumen, Kunsthandwerk und Spielzeug.

 

Wie erkenne ich fair gehandelte Produkte?
Das internationale TransFair-Siegel ist ein zuverlässiger Wegweiser zu Produkten aus Fairem Handel. Es garantiert, dass nicht die Händler und Importeure von denLogo TransFair - Fairtrade (Foto:transfair.org) Mehreinnahmen des Fairtrade profitieren, sondern die Produzenten aus den Entwicklungsländern. Das Siegel wird in Deutschland durch den gemeinnützigen Verein TransFair e.V. an Produkte vergeben, die den internationalen Standards der Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) entsprechen. TransFair kauft selbst keine Waren und ist keine Marke, sondern eine Siegelorganisation. Neben der Lizenzvergabe für das Siegel beteiligt sich TransFair an der Kontrolle von Fairhandelsregeln und leistet Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel ist, mehr Menschen von fairen Produkten zu überzeugen und das Sortiment weiter zu vergrößern. Es gibt rund 70 Lizenznehmer von TransFair, darunter das weltweit größte Fairhandelsunternehmen gepa, das faire Rohstoffe importiert und verarbeitet. gepa lässt zahlreiche Produkte auf die Einhaltung der Kriterien des Fairen Handels kontrollieren.

 

Die 51-Prozent-Regel
Bei Produkten wie Schokolade, die aus mehreren Rohstoffen bestehen, müssen mindestens 51 Prozent der Zutaten aus Fairem Handel stammen, damit sie das TransFair-Siegel tragen dürfen. Diese Ausnahme gibt es, weil nicht alle Zutaten aus Fairem Handel verfügbar sind (zum Beispiel Milchpulver oder Emulgatoren für Schokolade). Die Zutaten, die fair gehandelt erhältlich sind, müssen allerdings auch zu 100 Prozent dort gekauft werden. Die übrigen müssen mit dem fairen Grundgedanken zu vereinbaren sein.

 

Bio und fair – oft Hand in Hand
Logo Bio-Siegel (Foto: biosiegel.de) Viele Verbraucher wollen beides: bio und fair. Aktuell stammen bereits 40 Prozent der TransFair-Produkte aus Bioanbau und die Nachfrage steigt stetig. Auch wenn das TransFair-Siegel ökologische Mindeststandards beinhaltet, so liegt der Schwerpunkt auf der Schaffung sozialverträglicher Handelsbedingungen. Es wäre nicht praktikabel, das Siegel nur an Bio-Bauern zu vergeben, denn die Umstellung ist teuer und nicht überall möglich.
Aber Fairer Handel schafft den Erzeugern finanzielle Spielräume, um ihre Produktionsweise ökologischer auszurichten. Zusätzlich bietet der Faire Handel einen Aufschlag für Bioprodukte und unterstützt die Produzenten mit Bildungsangeboten.

 

Franziska von Almsick, Schirmherrin der Kampagne fair-feels-good.de (Foto: fair-feels-good.de)Prominente Unterstützung
Viele Prominente wie Franziska van Almsick oder Marianne Rogée aus der Lindenstraße unterstützen den fairen Handel, ob auch Dein Prommi oder Lieblingsschauspieler dabei ist, kannst du hier herausbekommen!

 





Weitere Informationen

Verbraucherkonkret: Who is Who im Fairen Handel (Quelle: www.fair-feels-good.de)Weitere Informationen bietet das Heft
"Who is Who im Fairen Handel"
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Spezielle Informationen für Schulen und Lehrer

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Eine Welt für Kinder - Materialien für Kindergarten und Grundschule Materialien für "Eine-Welt-Aktionen für Kinder" können bestellt oder hier heruntergeladen werden!

Text: Andrea Fenner, Bonn (November 2005)
(Bilder: www.aid.de, www.transfair.org, www.teeverband.de, www.photocase.com)