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Alles Bio, oder was?
Lebensmittel mit dem Bio-Plus
Bio-Lebensmittel sind in aller Munde, nicht nur sprichwörtlich. Immer mehr Menschen greifen zu Bio. Aber welche Vorteile bieten Lebensmittel mit Bio-Qualität? Warum sind sie in der Regel teurer? Und wie kann man sicher sein, dass auch wirklich Bio drin ist, wo Bio drauf steht?
Ob Bio- oder Öko-Lebensmittel – beide Begriffe meinen das Gleiche: Es handelt sich um Lebensmittel, die Umwelt, Tiere und Pflanzen schonen und der EG-Öko-Verordnung unterliegen. Diese Rechtsvorschrift definiert europaweit, wie solche Produkte gekennzeichnet, erzeugt und hergestellt werden müssen. Was ist nun das Besondere an Bio?
Ökolandbau: Mehr als der Verzicht auf die Giftspritze
Im Mittelpunkt des ökologischen Landbaus steht das Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Dabei wird der Bauernhof nicht einfach als Betrieb, sondern als ganzheitliches Kreislaufsystem aus Boden, Pflanzen, Tieren und Menschen betrachtet. Ein Biobauer verbindet Acker- und Viehzucht so, dass er möglichst wenige Hilfsmittel von außen benötigt. Zum Beispiel sorgen pflanzlicher Kompost, Mist und bestimmte Pflanzen, die dem Boden Nährstoffe zuführen, für eine gute Bodenqualität. Auf Kunstdünger kann der Bauer somit verzichten. Außerdem muss der Bauer selbst Futter für seine Tiere anbauen. Die Öko-Verordnung sieht im Grundsatz vor, dass Tierfutter und Nährstoffe für den Boden vom eigenen Hof stammen müssen. Nur in geregelten Ausnahmefällen darf der Landwirt etwas zukaufen - und dann auch nur in begrenzten Mengen.
Wichtige Aspekte des Ökolandbaus
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
- Verzicht auf leicht lösliche, mineralische Dünger
- vielseitige Fruchtfolge zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
- Verwendung von Öko-Saatgut, wenn verfügbar
- Verbot von Gentechnik
- artgerechte Tierhaltung
- Verwendung von Öko-Tierfutter
- Verbot von leistungsfördernden Antibiotika (ab 2006 auch im konventionellen Bereich verboten)
Besonderheiten bei der Herstellung von Bio-Lebensmitteln
Auch bei der Herstellung von Bio-Lebensmitteln gibt es Vorgaben. Als Grundprinzip gilt, dass Bio-Lebensmittel möglichst Naturbelassen bleiben und schonend verarbeitet werden. Von rund 300 in der EU erlaubten Zusatzstoffen dürfen Bio-Hersteller daher nur knapp
40 verwenden, gerade das Nötigste. Geschmacksverstärker, Farbstoffe, künstliche und naturidentische Aromen sind nicht zugelassen. Außerdem sind gentechnisch veränderte Zutaten in Öko-Lebensmitteln generell verboten.
Wer kontrolliert das alles?
Staatlich zugelassene Kontrollstellen prüfen regelmäßig, dass Bio-Betriebe nach den strengen Vorschriften der EG-Öko-Verordnung arbeiten. Einmal pro Jahr statten die Kontrolleure den Betrieben einen angemeldeten Besuch ab. Zusätzlich erfolgen unangemeldete Stichprobenkontrollen.
Die Kontrolle der Betriebsunterlagen ist dabei von großer Bedeutung. Jeder Bio-Betrieb muss zum Beispiel genau dokumentieren, welche Rohstoffe er kauft sowie Art und Menge der verkauften Produkte. Die Kontrollstellen prüfen, ob die Angaben stimmig sind. Außerdem besichtigen sie das Betriebsgelände und können Proben nehmen, um sie auf Rückstände zu überprüfen.
Die Kontrolle bezieht alle Verarbeitungsstufen mit ein. Bei der Brotherstellung wird der Getreide-Landwirt genauso kontrolliert wie die Mühle und der Bäcker. Auch wenn es nie 100%-ige Sicherheit geben kann – die häufigen und strengen Kontrollen im Bio-Bereich decken Fehler schnell auf. Bei Bio kann man also beruhigt zubeißen!
Qualität hat ihren Preis
Der Lebensmittelhandel lockt mit Billigpreisen. Warum sollte man überhaupt zu „teuren“ Bio-Produkten greifen? Ganz einfach: Weil Bio-Lebensmittel viel zu bieten haben: hohe Qualität, guten Geschmack und Umweltschutz. Und weil der Preis eines Lebensmittels mehr ist als der reine Warenwert.
In Deutschland liegen die Lebensmittelpreise so niedrig wie in kaum einem anderen Land. Während sich der Lohn für eine Arbeitsstunde seit den 60er Jahren verneunfacht hat, sind die Verkaufspreise zum Beispiel für Butter oder Zucker kaum gestiegen. Die günstigen Preise decken in einigen Fällen nicht mal die direkten Produktionskosten des Landwirts, geschweige denn negative Folgen wie die ökologischen Auswirkungen der Massenproduktion. Billiges kann uns also teuer zu stehen kommen.
Ökolandbau schont die Natur. Bio-Bauern verzichten dafür auf viele ertragsfördernde Hilfsmittel. Das erhöht den Arbeitsaufwand und verringert die Ernteerträge (weil zum Beispiel Unkraut mechanisch bekämpft wird, statt Chemie einzusetzen). Die artgerechte Tierhaltung verursacht außerdem höhere Kosten. Bio-Bauern halten weniger Tiere pro Flächeneinheit und erzeugen so auch weniger Fleisch, Eier oder Milch als konventionelle Landwirte. Ein weiterer Teil der Mehrkosten für Bio kommt durch die vergleichsweise geringen verkauften Mengen, die Vertrieb und Verkauf teurer machen. Schließlich tragen auch die intensiven Kontrollen zu einem höheren Preis bei.
Die Bio-Vorteile
- Für dich:

Das Risiko für erhöhte Rückstände ist bei Bio-Obst und Gemüse noch geringer als sonst, weil Pflanzenschutzmittel generell nicht eingesetzt werden. Außerdem sind Bio-Lebensmittel schonend und möglichst Naturbelassen verarbeitet. Nicht nur der Verzicht auf die meisten Zusatzstoffe sorgt für einen natürlicheren Geschmack. Viele Menschen meinen sogar, dass Bioprodukte intensiver oder natürlicher schmecken.

- Für die Umwelt:
Bio-Landwirte sparen Energie, arbeiten klimaschonend, belasten das Grundwasser weniger, betreiben Arten- bzw. und Sortenschutz und sorgen für eine gute Bodenqualität.
- Für die Tiere:
Artgerechte Tierhaltung wird im Bio-Bereich groß
geschrieben, Massentierhaltung ist tabu. Außerdem werden die Tiere nicht so hochgezüchtet, dass Sie z.B. mehr Rippen oder Koteletts ansetzen.
Woran erkennt ihr Bio-Lebensmittel?
Es gibt drei Kennzeichen, die als schnelle Orientierungshilfen echte Bio-Produkte ausweisen. Wer mindestens eins davon auf einem Lebensmittel findet, kann sicher sein: Das ist garantiert Bio!
(Alt-Tag: Fleischetikett mit Kontrollstellenaufdruck)
Die Angabe der Kontrollstellen muss auf jedem verpackten Bio-Produkt stehen, zum Beispiel „DE-001-Öko-Kontrollstelle“ (DE=Landesangabe, hier: Deutschland; 001=Betriebsangabe).
- Zusätzlich können Bio-Produkte das staatliche oder das EU-Bio-Siegel tragen.
Die Worte „Bio“ und „Öko“, auch in zusammengesetzten Begriffen wie „Bio-Nudeln“, sind gesetzlich geschützt. Alles, was sich so nennt, ist garantiert nach der EG-Öko-Verordnung hergestellt.
Wo Bio draufsteht, müssen mindestens 95% der Zutaten aus ökologischem Anbau stammen. Auf Lebensmitteln, die aus weniger als 95%, aber mindestens zu 70% aus Bio-Zutaten hergestellt sind, darf im Zutatenverzeichnis auf den ökologischen Ursprung verwiesen werden. Also zum Beispiel durch eine Kennzeichnung der Bio-Zutaten mit einem Sternchen („Roggenmehl*“) und dem Hinweis „* aus kontrolliert biologischem Anbau“ am Ende des Verzeichnisses.
Ein Großteil der 16.600 Öko-Betriebe in Deutschland (Stand: Ende 2004) ist in Verbänden organisiert. Einige Anbauverbände haben strengere Richtlinien als die EG-Öko-Verordnung. Viele Lebensmittel tragen daher ein Verbandszeichen wie „Bioland“ oder „Demeter“. Diese Angabe ist freiwillig.
Öko-Kennzeichnungsfallen
Einige Begriffe können Öko- oder Bio-Qualität vortäuschen: Alternative Haltung, umweltschonender Anbau, naturnah, unbehandelt, kontrollierter Anbau, integrierter Anbau, rückstandskontrolliert, ... Lasst euch davon nicht verwirren, sondern achtet auf die sicheren Kennzeichen (siehe oben)!
So ist Bio bezahlbar
Wer Bio-Lebensmittel auf seinen Speiseplan setzen will, muss nicht zwangsläufig viel mehr Geld ausgeben. Kleine Tricks helfen Geld zu sparen:
Obst und Gemüse möglichst aus der Region und in der Haupterntezeit kaufen (hier gibt's einen Saisonkalender als PDF zum Download)!
- Preise vergleichen: Bio-Einkaufsgemeinschaften und Bio-Supermärkte sind im Durchschnitt günstiger als Bio-Lebensmittel aus anderen Läden.
- Der Preisunterschied bei Bio-Grundnahrungsmitteln wie Milch, Brot, Nudeln oder Mehl ist relativ gering verglichen mit herkömmlichen Lebensmitteln.
Je mehr Verbraucher Bio kaufen, desto günstiger werden Produktion und Vertrieb und somit auch für den Verbraucher erschwinglicher. Ihr entscheidet also mit!
Wo könnt ihr Bio-Produkte kaufen?
Schon lange gibt es nicht nur Brot, Milch und Eier in Bio-Qualität. Wer Bio kaufen möchte, hat eine große Auswahl. Bio-Lebensmittel gibt's:
- i
m Bio- oder Naturkostladen
- direkt beim Bio-Bauern, im Bio-Hofladen
- direkt nach Hause mit einer „Abo-Kiste“: Bio-Landwirte stellen regionales und saisongerechtes Obst und Gemüse zusammen und liefern es nach Hause oder in den nächsten Bio-Laden.
- auf Wochenmärkten (oft gibt es dort Bio-Stände)
- im Lebensmittelhandel und einigen Drogeriemärkten: Supermärkte und Discounter bauen ihr Bio-Sortiment sogar stetig aus; viele haben eine eigene Bio-Handelsmarke (siehe Abbildung).
- in Reformhäusern
- im Internet
Adressen von Bio-Bauern, Naturkostläden und Reformhäusern in eurer Nähe gibt es hier:
- www.allesbio.de
- www.oekolandbau-nrw.de/bio.html
- www.gutes-vom-bauernhof.de
- www.reformhaus.de
- www.bioladen.de
- www.naturkost.de
- Bundesverband Naturkost Naturwaren
Weitere wichtige Links aus dem Bio-Bereich:
+ Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen: www.oeko-komp.de
+ www.oekolandbau.de für Verbraucher
+ www.oekolandbau.de für Kinder
+ www.oekolandbau.de für Jugendliche
+ www.bio-find-ich-kuhl.de
+ International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM)
+ Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL)
+ Forschungsinstitut für ökologischen Landbau
+ Echt gerecht. Clever kaufen.

Weitere Infos bietet auch unsere Talkingfood-Datenbank in der Rubrik „Lebensmittel aus ökologischem Landbau“

Weitere umfangreiche Infomaterialien und Aktionen rund um den ökologischen Landbau bietet schule.oekolandbau.de
Jede Menge nützliche Infos rund um Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel findet ihr in den aid-Broschüren:
Text: Andrea Fenner, Bonn (Juli 2005)
Bilder: www.aid.de, www.dak.de, Christof Meinhold, Thomas Stephan www.oekolandbau.de, www.photocase.de
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