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Talking Food

Riechen, Schmecken, Sehen, Hören, Tasten: Essen mit allen Sinnen
Durch Sinnesschulungen zu verbessertem Ernährungsbewusstsein

Frau isst genüsslich eine Erdbeere

Salzige Pommes, scharfe Tortillachips und süße Limonaden stehen bei vielen Jugendlichen hoch im Kurs. Es sind also weniger die feinen Aromen, die junge Leute anzulocken scheinen, sondern vielmehr die ausgeprägten Grundgeschmacksrichtungen „salzig“ oder „süß“. Bei übermäßigem Verzehr von salzigen Snacks, süßen Getränken oder recht einheitlich schmeckenden Fertigprodukten besteht jedoch die Gefahr, dass der Geschmackssinn regelrecht „abstumpft“.

Tüte mit Pommes frites (Foto: www.photocase.de) Sinnesschulungen tragen dazu bei, Schüler an ein bewusstes Ess- und Trinkverhalten heranzuführen und ihnen ein Gefühl für die Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Gerüchen zu geben. Durch praxisorientiertes Experimentieren können die Schüler spielerisch ihr Urteilsvermögen im Umgang mit Lebensmitteln testen.

Konzeption und Vorbereitung

Aufgrund seines interdisziplinären Charakters kann das Thema „Essen mit allen Sinnen“ in verschiedenen Fächern zum Einsatz kommen. Im Biologie- oder Ernährungslehreunterricht lassen sich Sinnesschulungen theoretisch vorbereiten, während die praktische Umsetzung sowohl im Unterricht, als auch im Rahmen eines Projekttages erfolgen könnte.

Sprossen (Foto: www.photocase.de) Sinnesschulungen werden am besten in Form eines Lernparcours durchgeführt, der idealerweise aus fünf Stationen besteht. Für jede Station, die man thematisch einem Sinnesorgan zuordnet, werden mit einfachen Mitteln ein oder zwei Experimente vorbereitet. Die Schüler erhalten „Laufzettel“, auf denen die einzelnen Experimente und die dazugehörigen Fragen notiert sind. Man könnte zum Beispiel als Symbol eine Zunge, ein Auge etc. nehmen (das zur Widererkennung auch die jeweilige Station markiert) und darunter die Fragen auflisten. Tipp: Überlegen Sie sich im Vorfeld, welche Materialien Sie benötigen und auch wie die Standbetreuung geregelt wird.

Für den „Gewinner“ jeder Gruppe bzw. Klasse könnte als Ansporn ein kleiner Preis ausgelobt werden. Anbieten würden sich Kochutensilien, mit denen der/die Schüler/in zuhause weiter experimentieren kann (z. B. Formen zur Herstellung von Wassereis, ein Kresseigel, ein Set zur Anzucht von Sprossen, Brotbackformen und –Rezepte, ein Joghurtselbstbereiter, eine Pastamaschine,…).

Die Stationen und mögliche Experimente:
Zunge mit Geschmacksrichtungen

1. Schmecken

Info: An den Rändern der Zunge befinden sich Papillen mit Geschmacksknospen, auf denen sich mehrere Duzend Sinneszellen befinden. Je nach Zungenregion können bestimmte Geschmacksrichtungen von den dort vorhandenen Zellen besonders gut „erschmeckt“ werden: Bitter im hinteren Teil der Zunge, sauer am mittleren Seitenrand, salzig weiter vorne und süß an der Zungenspitze.

Experiment I: Erschmecken von Grundgeschmacksrichtungen

  • Vorbereitung: Füllen Sie vier gleich aussehende und willkürlich nummerierte Gefäße mit Leitungswasser (ca. 0,3 l) und fügen Sie in eines ca. ½ Teelöffel Zucker, in ein anderes ½ TL Salz, in das dritte ½ TL Essigessenz und in das vierte so viel Wermuttee oder Enzianwurzel-Sud hinzu bis ein Bittereindruck entsteht.
  • Durchführung: Jedem Schüler wird mit einer Pipette (oder Probierlöffel) eine Probe der Lösung auf die Zunge gegeben. Der Schüler soll auf seinem Laufzettel notieren, welche Geschmacksrichtung er welcher Probe zuordnen würde.
  • Hinweis: Je geringer die Konzentration, desto schwieriger das Experiment.

Experiment II: Erschmecken von Aromen

  • Vorbereitung: Schneiden Sie Äpfel und Birnen in gleichgroße Stücke (die Teller sollten hinter einem Sichtschirm aus Pappe verborgen sein).
  • Durchführung: Der Tester schließt entweder die Augen oder setzt eine beklebte Taucherbrille oder eine Schlafbrille auf. Nacheinander wird dem Schüler je ein Stück Birne und ein Stück Apfel auf einem Zahnstocher gereicht. Auf seinem Laufzettel notiert der Schüler, was er/sie glaubt gegessen zu haben.
  • Alternative: Bereiten Sie zwei Schalen mit verschiedenen Joghurtsorten vor (z.B. Erdbeere und Heidelbeere oder Kirsche und Aprikose) und färben sie diese mit roter oder gelber Lebensmittelfarbe ein. Markieren Sie am besten die Schälchen an der Unterseite. Lassen Sie die Schüler von jeder Sorte eine Probe nehmen und auf dem Laufzettel notieren, welchen Geschmack die jeweilige Joghurtprobe ihrer Meinung nach hatte.

2. Riechen

Frauengesicht mit Nase (Foto: www.photocase.de)Info: Wer bei einer Erkältung schon einmal eine „verstopfte“ Nase hatte, weiß, dass der Riech- und Schmecksinn kaum voneinander zu trennen sind. Darum „läuft einem auch das Wasser im Munde zusammen“, wenn man etwas Leckeres riecht. Die Lebensmittelaromen gelangen nämlich über den Rachenraum in die Nase.

Experiment I: Erraten von Düften

  • Vorbereitung: Sie benötigen fünf bis sechs leere und nummerierte Filmdosen, die Sie mit verschiedenen Substanzen wie z.B. einem Wattebausch mit Pfefferminz- oder Rosenöl, etwas Zitronenschale, Zimt, Nelke oder Oregano füllen. Kräuter müssen gegebenenfalls vorher gerieben werden, damit sie ihre ätherischen Öle entfalten. Stoßen Sie mit einem Nagel einige Löcher in den Deckel der Dose.
  • Durchführung: Die Schüler riechen an den von 1 bis x nummerierten Dosen und tragen in ihren Laufzettel die Duftbezeichnung ein.
  • Hinweis: Nehmen Sie nicht zu viele unterschiedliche Düfte, da der Geruchssinn schnell ermüdet.

Experiment II: Erkennen wie Geruch und Geschmack verbunden sind

  • Vorbereitung: Benötigt werden gesalzene Erdnüsse (evtl. leicht zerstoßen) und eine Nasenklammer.
  • Durchführung: Zuerst essen die Schüler etwas von den Erdnüssen mit der Klammer auf der Nase. Auf dem Laufzettel wird notiert, was sie schmecken. Zu erwarten wäre hier, dass die meisten Schüler nur „salzig“ schmecken. Danach darf der Tester die Klammer abnehmen und noch einmal von den Erdnüssen probieren. Überraschend für die Schüler: Der Geschmackseindruck ist ein ganz anderer.
  • Tipp: Besonders interessant ist es, wenn der Schüler nicht erkennen kann, was er isst. Jedoch muss in diesem Fall bekannt sein, dass der Schüler keine Erdnussallergie hat.

menschliches Auge (Foto: www.photocase.de) 3. Sehen

Info: Der Spruch „Das Auge isst mit“ zeigt: Bei der Auswahl unserer Nahrung gehen wir nicht selten von der Optik aus. Auf einen Blick kategorisieren wir Lebensmittel in „Appetitliches“ oder „Unappetitliches“. Das Auge ist unser wichtigster Qualitätsprüfer.

Experiment I: Unterschiede erkennen

  • Vorbereitung: Es werden vier Äpfel verschiedener Apfelsorten präsentiert und mit Kärtchen versehen, auf denen die jeweilige Sorte angegeben ist. Vier weitere Äpfel, die nur durchnumeriert werden, liegen in der Reihe davor.
  • Durchführung: Die Schüler betrachten und vergleichen die Äpfel und sollen nach Farbe und Struktur beurteilen, zu welcher Sorte welcher Apfel gehört. Auf dem Laufzettel könnte zum Beispiel notiert werden: „Nr. 1: Cox Orange“.
  • Hinweis: Beim Einkauf kann der Lehrer durch die Auswahl der Apfelsorten den Schwierigkeitsgrad bestimmen.

Experiment II: Portionen schätzen

  • Vorbereitung: In drei unterschiedlich geformte Einmachgläser A, B und C gibt man eine gleiche Anzahl von Erbsen (ca. 100 Stück).
  • Durchführung: Die Schüler schätzen, wie viele Erbsen sich in welchem Glas befinden.

 

4. Hören

Info: Hören spielt beim Essen eine wichtige Rolle. Lebensmittel werden beispielsweise gezielt mit wohlklingenden Geräuschen beworben. Chips kommen nur auf den Markt, wenn das Knackgeräusch appetitlich klingt. Auch in der Qualitätsprüfung kommt unser Hörsinn zum Einsatz. Knackt zum Beispiel eine Möhre nicht mehr beim Anbeißen, dann ist sie alt.

Experiment I: Küchengeräusche erkennen

  • Vorbereitung: Mithilfe eines Aufnahmegerätes und eines Mikrofons werden einige Geräusche – z. B. zu einem bestimmten Thema - aufgenommen. Beim Thema „Obst“ könnte das ein Biss in einen Apfel, das Knacken einer Möhre oder einer Stange Spargel, das Schneiden einer Melone und das Pellen einer Banane sein, beim Thema „Getreideprodukte“ beispielsweise das Brechen von Baguette, Knäckebrot und Zwieback oder das Rascheln in einer Erdnussflips-Tüte oder das Schneiden von Brot.
  • Durchführung : Den Schülern wird das aufgenommene Geräusch vorgespielt. Diese schreiben auf, was sie zu hören gemeint haben.
  • Hinweis: Handelt es sich um eine relativ kleine Schülergruppe, kann man das Geräusch „live“, hinter einer Wand oder einem Tuch verdeckt, vorführen lassen.

zwei rote Äpfel (Foto: www.photocase.de) 5. Tasten

Info: Wer meint, dass der Tastsinn wenig mit unserer Ernährung zu tun hat, der irrt. Oft betasten wir Pfirsiche, Birnen, Gurken, Avocados und vieles mehr, um den Reifegrad festzustellen.

Experiment I: Lebensmittel ertasten

  • Vorbereitung: Es müssen vier bis sechs Kartons so präpariert werden, dass die Schüler zwar ihre Hand hineinstecken können, den Inhalt jedoch nicht sehen. Man könnte in einen Karton eine alte, runzlige Möhre legen, in einen eine frische, in einen eine Avocado, in einen eine Kiwi, eine Gartengurke etc. Die Kartons werden nummeriert.
  • Durchführung: Die Schüler greifen nacheinander vorsichtig in jeden Karton und notieren, was darin enthalten sein könnte.

Auswertung und Abschlussdiskussion
Die Laufzettel der Schüler werden nach Abschluss der „Experimentier-Einheit“ ausgewertet. Im Vorfeld muss festgelegt werden, für welche Lösungen wie viele Punkte vergeben werden. Man könnte beispielsweise für korrekte Lösungen zwei Punkte geben und für Antworten, die der Lösung nahe kommen, einen Punkt (z.B. beim Erbsen Schätzen). Bei Bekanntgabe der Ergebnisse wäre es sinnvoll, einige Ergebnisse zu diskutieren. Welche Stationen haben Schwierigkeiten bereitet, welche nicht? Gibt es Experimente, die allen sehr schwer fielen? Woran kann das gelegen haben?

Um für eine gewisse Nachhaltigkeit der Experimente zu sorgen, könnte man die Schüler an einem Tag ihrer Wahl (innerhalb eines Zeitfensters von ca. einer Woche) eine ihrer Hauptmahlzeiten dokumentieren lassen:

  • Woraus bestand die Mahlzeit?
  • Wonach haben die einzelnen Komponenten geschmeckt? Hier könnte man die Schüler ermutigen, Tendenzen herauszuschmecken. Beispiel: Möhren schmecken leicht süßlich, Rosenkohl bitter, Pommes salzig, Kartoffeln erdig, Salami evtl. nach Knoblauch etc.
  • Waren Bestandteile extrem süß oder extrem salzig? Woran kann das liegen? (Vielleicht, weil Kartoffeln nicht als Kartoffelpüree, sondern als Potatoe Wedges gegessen wurden, ….)
  • Wie lässt sich der Geschmack von rohem Gemüse im Vergleich zu gekochtem beschreiben?

Was können Sinnesschulungen leisten?

verschiedene Obstsorten In erster Linie haben Sinnesschulungen das Ziel, dass Schüler ihre tägliche Nahrung mit anderen Augen sehen. Dieses wird zum einen dadurch erreicht, dass Jugendlichen exemplarisch ein Eindruck von der Vielfalt an Gerüchen, Geschmacksrichtungen und Aromen vermittelt wird. Auch sollen die zum Beispiel anhand des Apfel-Experiments (siehe Station 3) erkennen, dass es eine natürliche Sortenvielfalt gibt. Im Idealfall werden sich die Schüler bei ihrem nächsten Besuch im Supermarkt daran erinnern und vielleicht sogar genauer hinschauen, was sie kaufen.

Ein weiteres Ziel von Sinnesschulungen ist es, Jugendlichen bewusst zu machen, dass die fünf Sinne die besten Qualitätsprüfer sind. Ist eine Frucht beispielsweise sehr weich, hat sie faulige Stellen und riecht sie stark süßlich, dann soll der Schüler erkennen: „Hier stimmt etwas nicht. Die Frucht ist verdorben“.

Dass Sinnesschulungen einen konkreten Bezug zum Alltag besitzen, erkennt man nicht zuletzt daran, dass Schüler relativ rasch beginnen, ihre Essgewohnheiten zu reflektieren. „Manchmal esse ich eine ganze Tafel Schokolade und weiß hinterher gar nicht, welche Sorte es überhaupt war“, gab eine Schülerin im Rahmen einer Sinnesschulung zu. Bringt man den Schülern bei, ihre fünf Sinne bewusst einzusetzen, dann achten sie plötzlich stärker auf die feinen Aromen von Lebensmitteln und essen folglich mit mehr Genuss. Ein weiterer Lerneffekt: Die Jugendlichen merken, dass salzige Snacks, viele Fast Food- und auch Fertiggerichte wenig aromatisch, sondern in erster Linie nur sehr salzig oder süß sind – und deshalb eher langweilig.

Weiterführende Infos zu Sinnesschulungen:

Meier-Ploeger A., Stockmayer K., Lange, M.: Fühlen wie’s schmeckt, Sinnesschulungen für Kinder und Jugendliche 6-14 Jahre, food media Verlag, Künzell 1999.

FIT KID“ – Sinnesschulungen für Kinder Unter dem Namen „FIT KID“ – Sinnesschulungen für Kinder bieten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Verbraucherzentralen Fortbildungsveranstaltungen für pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen an. Interessierte Kindertageseinrichtungen wenden sich bitte an Fit KID oder an ihre Verbraucherzentrale vor Ort. Adressen der Verbraucherzentralen finden Sie hier!

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bietet den Sinnesparcours "Knackig, duftig, bunt - Erlebniswelt Essen" für Schüler von 8 bis 12 Jahren. Nach vorheriger Terminabsprache besteht die Möglichkeit, Klassen oder Gruppen mit dem Parcours arbeiten zu lassen. Der Zeitaufwand pro Durchgang beträgt ca. 2 Schulstunden. Das Material wird von der Verbraucherzentrale gestellt, eine Fachkraft führt die SchülerInnen durch die Ausstellung.

Mehr Informationen und Termine erfahren Sie hier!



Öko-Sinnes-Parcour
Damit Kinder und Jugendliche Lebensmittel und gesunde Ernährung wertschätzen, müssen sie über Nahrungsmittel und ihre Erzeugung Bescheid wissen. Dies greift der Vorschlag von www.oekolandbau.de für den Projekttag „Sinnes-Parcour“ für die Grundschule auf. Über eine Schulung der Sinne erfahren Kinder hier Unterschiede im Geschmack, bekommen Spaß am genauen Hinriechen und -schmecken und werden so auch zum Selbstzubereiten motiviert.
Nebenbei lernen sie die Besonderheiten des ökologischen Landbaus kennen.

Download der Projektbeschreibung hier!

(Bildquellen: www.photocase.de und www.aid.de)